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Risk Review Juni 2026: Wie der Hormus-Konflikt die globale Wirtschaft und die Schweiz belastet

Der Konflikt um die Strasse von Hormus verursacht die grösste Unterbrechung der globalen Ölversorgung der Geschichte und deckt gravierende geopolitische Risiken auf. Das zeigt unser aktueller Coface Risk Review. Die Weltwirtschaft erweist sich zwar als widerstandsfähig, doch die Inflation zieht an – und auch europäische Länder wie die Schweiz spüren den Druck.

Die Verhandlungen rund um den Hormus-Konflikt kommen nur langsam voran. Doch wie unser jüngster Coface Risk Review von Ende Juni zeigt, sind schon jetzt massive Konsequenzen auszumachen. Durch die Schliessung der Strasse von Hormus ist die globale Ölversorgung in historischem Ausmass gestört worden. Unsere Expertinnen und Experten machen klare Verlierer aus: Besonders die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien werden hart getroffen, auch wenn ihre Aussicht auf Erholung gut ist. Während Asiens Hightech-Standorte profitieren, spürt auch Europa den Druck. Die Schweiz wird mit ihrer Exportorientierung konfrontiert. Auch wenn die Weltwirtschaft relativ resistent ist, beschleunigt sich die Dynamik rund um Lieferkettenstörungen, Preiserhöhungen und letztlich Inflation sowie eine restriktivere Geldpolitik.

Der Hormus-Konflikt in Zahlen: Transport, Energie und Insolvenzen

Wir senken in der Folge unsere Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2026 gegenüber unserer Prognose vor Ausbruch des Hormus-Konflikts um 0,3 Punkte auf 2,3 Prozent. Insbesondere die Entwicklung in den Golfstaaten und in Südostasien steht dafür Pate, Europa ist davon in geringerem Ausmass betroffen. Deutlich wird die Situation durch einen Blick auf aktuelle Zahlen zu Transport, Energie und Insolvenzen: Im Mai 2026 wurden in der Strasse von Hormus 145 Schiffspassagen registriert, im Mai 2025 waren es noch mehr als 3'330. Die Preise für Schiffstreibstoff waren bereits im März um das Doppelte im Vergleich zum Vorkrisenniveau gestiegen. Bei den Industrieländern verzeichnen die Insolvenzen im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Wachstum von 12 Prozent.

Gewinner der Krise: USA und Asiens Hightech-Standorte profitieren von KI

Gerade in den USA hat die Zahl der Insolvenzen im Jahresvergleich um 22 Prozent zugenommen, die Inflation ist von 2,4 Prozent im Februar auf 4,2 Prozent im Mai angestiegen. Wie Russland stecken die USA als Gas- und Erdöl-Exporteure in einer strategischen Sackgasse. Dabei unterscheiden sich die Gründe und Auswirkungen massiv: Russland führt einen Abnutzungskrieg an den eigenen Grenzen und findet schwer Verbündete. Die USA haben einen Konflikt ausgelöst, der andere Weltregionen stärker belastet als sie selbst. Die augenblicklichen Schocks dürften die USA relativ gut kompensieren, nicht zuletzt aufgrund des Umfelds einer schwachen Nachfrage. Steuererleichterungen und Vermögenseffekte am Aktienmarkt durch Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) wirken sich positiv aus.

In diesem Sinne profitieren momentan auch die entwickelten Volkswirtschaften Nordostasiens, die sich explizit auf KI und generell Hightech spezialisiert haben. Japan setzt etwa verstärkt Materialien und Maschinen für die Halbleiterproduktion ein. Von der hohen Nachfrage im Kontext von Zukunftstechnologien kann sich auch China ein Stück sichern: KI-bezogene Elektronikprodukte und Elektrofahrzeuge stehen hauptsächlich hinter der 14,5-prozentigen Steigerung der Exporte von Januar bis April im Vergleich zur Vorjahresperiode. Gleichzeitig kämpft China jedoch stark mit einer schwachen Konsumnachfrage.

Verlierer der Krise: Europas Industrie und Südostasiens Produktionsstandorte unter Druck

Wir zählen europäische Staaten zu den Verlierern der Situation: In der Eurozone dürfte das Wirtschaftswachstum 2026 um 0,7 Prozentpunkte auf 0,7 Prozent sinken (nach 1,4 Prozent im Jahr 2025).

In Deutschland leidet das verarbeitende Gewerbe stark unter dem steigenden Wettbewerbsdruck mit China, Energiekosten sind hier teilweise matchentscheidend. Die Arbeitslosenzahlen sind mit 6,6 Prozent auf dem höchsten Stand seit zwölf Jahren. Aufgrund umfangreicher staatlicher Unterstützungsprogramme gehen wir für das Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent in 2026 und 0,9 Prozent in 2027 aus. Für Frankreich rechnen wir frühestens nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Frühjahr 2027 mit einer Beruhigung der Lage: Die schwache Binnennachfrage dürfte bis dahin anhalten – unsere Prognose sieht die Wachstumsrate sogar von 0,6 Prozent (2026) auf 0,5 Prozent (2027) leicht weiter sinken.

Die hohen Energiekosten und steigenden Vorleistungskosten schwächen auch einige südostasiatische Produktionsstandorte – hier steigt der Inflationsdruck, das Wachstum verlangsamt sich. Etwa Indonesien und die Philippinen spüren starken Margendruck. In unserem Länderrating wurden in Südostasien diese beiden Länder neben Vietnam, Kambodscha und Malaysia herabgestuft. Auch der Pharmasektor ist betroffen: Wir haben unsere Risikoeinschätzung für Polen und Tschechien herabgestuft – zwei Länder, in denen zahlreiche Zulieferer und Shared-Service-Center für die Pharmaindustrie angesiedelt sind, auch für Schweizer Unternehmen.

Die Schweiz im Hormus-Konflikt: Erste Konsequenzen für Wirtschaft und Unternehmen

Die Schweiz befindet sich unter Druck. Ein Anzeichen dafür ist der Verlust der Spitzenposition im IMD-Ranking zur Wettbewerbsfähigkeit. Ausschlaggebend war unter anderem der Rückgang internationaler Investitionen. In unserem Sektor-Rating wurde die Schweiz unter anderem im Transport herabgestuft. In diesem für die Versorgung der Wirtschaft sowie für den Aussenhandel zentralen Bereich sinken die Margen und steigen die Kosten.

Positive Signale für die Schweiz

Trotz des angespannten Umfelds bleibt die Schweiz vergleichsweise gut positioniert. Sie hält ihr hervorragendes Länderrisiko-Rating. Die Nationalbank hat den Leitzins von 0 Prozent nicht erhöht und stabilisiert damit die Rahmenbedingungen. Der Franken-Euro-Kurs von rund 0,92 bleibt tragbar. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) schätzt, dass die Wirtschaft 2026 um rund 0,9 Prozent und 2027 um 1,6 Prozent wachsen wird. Als Exportnation ist die Schweiz zwar auf dem Weltmarkt exponiert, aber stark auf Dienstleistungen ausgerichtet und die Industrie auf weniger energieintensive Bereiche fokussiert. Ein weiteres positives Signal: Wichtige Handelspartner der Schweiz wie die USA und China haben in unserem aktuellen Länderrisiko-Rating keine Herabstufung erfahren – ihre Risikoeinschätzung bleibt stabil.

Risikofaktoren im Blick behalten

Neben dem bereits erwähnten Transportsektor gibt es weitere Entwicklungen, die Schweizer Unternehmen im Auge behalten sollten. Im Pharmasektor haben wir die Risikobewertung für Polen und Tschechien gesenkt – Standorte, an denen auch Schweizer Pharmakonzerne Zulieferer und Shared Service Center betreiben. Auch die Insolvenzen in der Schweiz steigen spürbar: Offizielle Statistiken zeigen für 2025 einen Zuwachs der Unternehmenskonkurse um 61,2 Prozent auf 12'485 Fälle.

Dieser drastische Anstieg erfordert jedoch eine differenzierte Betrachtung. Markus Kuger, Chefökonom für die DACH-Region bei Coface, erklärt dazu:

Der sprunghafte Anstieg der Fallzahlen in der Schweiz ist kein rein wirtschaftliches Signal. Die Zunahme ist teilweise auf eine Gesetzesänderung zurückzuführen, die es ermöglicht, öffentlich-rechtliche Forderungen im Wege des Konkursverfahrens durchzusetzen. In der gesamten Schweizer Konkursstatistik stiegen die finanziellen Verluste weit weniger stark als die Anzahl der Fälle. Dies deutet auf eine grössere Zahl kleinerer Verfahren hin, nicht aber auf eine entsprechende Zunahme der Insolvenzschwere.

International tätige Unternehmen sollten zudem die Entwicklungen in Polen, Tschechien und Südostasien genau beobachten, wo sich das Risikobild deutlich verschlechtert hat.

Autoren und Experten

  • Jean-Christophe CAFFET

    Chief Economist

  • Markus KUGER

    Economist for Germany, Austria and Switzerland