Die Schweizer Exporte in die USA sind im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15,6 Prozent gesunken. Im ersten Quartal 2026 traf es im Vorquartalsvergleich mit -9,3 Prozent vor allem die Pharmabranche. Das Hauptrisiko für die Exportnation Schweiz liegt jedoch in der Unvorhersehbarkeit der Handelspolitik.
Die Auswirkungen der US-Zölle auf die Weltwirtschaft wurden analysiert. Einen vertiefenden Blick auf die stark exportorientierte Schweiz hat der für die DACH-Region zuständige Ökonom Markus Kuger geworfen:
Demnach sind laut den neuesten Daten für das erste Quartal 2026 die Schweizer Exporte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15,6 Prozent auf 9,8 Milliarden Franken eingebrochen. Das ist der niedrigste Stand seit dem vierten Quartal 2020.
Diese Entwicklung zeigt den Angaben zufolge eine deutliche Abschwächung der Nachfrage in den USA nach Schweizer Produkten.
Chemikalien und pharmazeutische Produkte machten den Löwenanteil der Exporte aus, und die USA sind deren grösster Markt. Für beide Branchen nahm die Nachfrage im Quartalsvergleich durchschnittlich um 8,1 Prozent ab, für Pharma allein sogar um 9,3 Prozent. Gleichzeitig wuchs die Nachfrage nach Uhren um 2,1 Prozent.
Unvorhersehbarkeit belastet Schweizer Exportfirmen
Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Kosten durch die erhöhten Zölle bislang hauptsächlich von US-Unternehmen aufgefangen wurden und nicht, wie von der Regierung angekündigt, von den ausländischen Exporteuren. Für die Schweiz bedeutet das, dass ihre exportierenden Unternehmen derzeit nicht in erster Linie von umfassenden Preissenkungen betroffen sind. Sie haben stattdessen zu kämpfen mit einem Margendruck bei ihrer Kundschaft in den USA, Vertragsneuverhandlungen und Volatilität in der Lieferkette.
Zusätzlich erhöhen wegen des Irankriegs gestiegene Transportkosten und sich verlagernde globale Handelsrouten den Druck auf die Schweizer Unternehmen. Hinzukommen eine weltweit schwächere Nachfrage und der starke Schweizer Franken.
Das Hauptrisiko für die Schweiz liegt also derzeit nicht in der Einführung eher geringer Zölle. Es ist die Unvorhersehbarkeit der Handelspolitik, die „dieses kleine, stark exportorientierte Land vor grosse Herausforderungen stellt“.
resümiert Markus Kuger.
Margen für Importeure bleiben stabil
Zu den wichtigsten Erkenntnissen die USA betreffend zählt, dass die Margen ausländischer Exporteure entgegen den ursprünglichen Ankündigungen der Regierung weitgehend erhalten geblieben sind. Die Inflation hat durch den Handelskrieg zwar um durchschnittlich 2,8 Prozent zugelegt, liegt aber niedriger als bei den erwarteten 3,5 bis 4 Prozent.
In bestimmten Branchen steigen die Kosten rasant, so etwa bei Metallen (+20 Prozent), Haushaltsgeräten (+9 Prozent), Autos (+8 Prozent), Werkzeugmaschinen und Textilien (+6 Prozent) sowie Elektronik (+5 Prozent). Die Insolvenzen liegen seit drei Quartalen in Folge 15 Prozent über dem Durchschnitt von 2019. Das erklärte Ziel, das Handelsdefizit zu verringern, wurde bislang nicht erreicht – es bleibt weiterhin hoch.
US-Zölle werten Rolle der Verbindungsstaaten auf
Letztlich haben die Zölle in globaler Perspektive nicht nur zu einer Steigerung der Frachtraten beigetragen – auf der Strecke Shanghai–Los Angeles war zu Spitzenzeiten ein Plus von 120 Prozent zu beobachten. Sie haben zudem eine Entwicklung beschleunigt, die im Zuge einer Neuordnung des Welthandels Verbindungsstaaten wieder in den Fokus rückt. Dabei werden die sogenannten Connector Countries in diesem Fall stark von relativen Zollunterschieden beeinflusst.
Vietnam ist mit 20 Prozent Zollkosten relativ glimpflich davongekommen und wurde zum Drehkreuz der ostasiatischen Importe in die USA (+42 Prozent). Das Land fängt 44 Prozent des Rückgangs chinesischer Importe in die Vereinigten Staaten auf und wächst fünfmal schneller als vor dem Handelskrieg. Ebenso profitiert Thailand: Von hier aus gelangen rund 20 Prozent mehr Exporte in die USA, was mit wachsenden chinesischen Warenmengen korreliert, die nach Thailand fliessen.
Mexiko hingegen wird weniger stark in seiner Rolle als Zwischenstation bestärkt. Dessen Exporte in die USA nahmen viermal stärker zu als die Importe aus China.
Handelskrieg könnte sich ausweiten
Insgesamt bleibt die Zollpolitik der USA rechtlich fragil und höchst unsicher: Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom Februar 2026 könnte der Fall eintreten, dass Zölle in Höhe von 166 Milliarden Dollar zurückerstattet werden müssen. Trotz der erhöhten Rechtsunsicherheit behält die Regierung eine aggressive Haltung bei. Daraus ergibt sich das Risiko eines „längeren, umfassenderen und potenziell inflationsstärkeren Handelskriegs“.



