Getrübte Konjunkturaussichten
Nach mehreren Jahren der Stagnation setzte sich die moderate Erholung der luxemburgischen Wirtschaft im Jahr 2025 fort, gestützt vor allem durch eine Belebung der Aktivitäten im Finanzsektor und einen erneuten Anstieg der Exporte von Finanzdienstleistungen. Der Finanzsektor bleibt das Rückgrat der luxemburgischen Wirtschaft und macht durchweg rund 30 % des BIP aus; die Entwicklungen in diesem Sektor sind daher von zentraler Bedeutung für die gesamtwirtschaftlichen Aussichten. Mit Blick auf die Zukunft wird erwartet, dass sich das Wachstum im Finanzsektor in den Jahren 2026 und 2027 etwas abschwächen wird. Die erhöhte globale Unsicherheit und die Aussicht auf ein Umfeld mit höheren Zinsen über einen längeren Zeitraum dürften die Marktstimmung und die Bewertungen von Vermögenswerten belasten. Insbesondere wird erwartet, dass die Volatilität an den europäischen Aktienmärkten – die für die luxemburgische Fondsverwaltung und damit verbundene Finanzaktivitäten von Bedeutung sind – zunehmen wird, vor allem im Jahr 2026, was das Wachstum im Finanzdienstleistungssektor dämpfen und Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben könnte.
In den Jahren 2026 und 2027 dürfte das Wachstum in Luxemburg stärker von der öffentlichen Nachfrage abhängen, wobei die Staatsausgaben die nachlassende Dynamik in anderen Bereichen der Wirtschaft ausgleichen werden. Anhaltende öffentliche Ausgaben dürften eine wichtige stabilisierende Kraft darstellen, da sich die Aktivität des privaten Sektors vor dem Hintergrund eines unsichereren globalen Umfelds verlangsamt. Der Konsum der privaten Haushalte dürfte weiterhin durch die automatische Indexierung von Löhnen, Renten und Sozialleistungen gestützt werden, was zur Erhaltung der Kaufkraft beiträgt. Allerdings dürften die erhöhte Unsicherheit und höhere Energiepreise das Vertrauen belasten und das Wachstum des Konsums dämpfen. Die Inflation dürfte im Laufe des Jahres 2026 wieder ansteigen, angetrieben durch höhere Energiepreise im Zusammenhang mit dem Krieg sowie durch Zweitrundeneffekte bei Dienstleistungen und Löhnen. Der Preisdruck dürfte sich 2027 allmählich abschwächen, da die energiebezogenen Effekte nachlassen, auch wenn die Desinflation voraussichtlich schrittweise verlaufen wird. Das Investitionswachstum dürfte sich im Prognosezeitraum abschwächen, da die erhöhte geopolitische Unsicherheit und anhaltend höhere Zinssätze die Stimmung und die Finanzierungsbedingungen belasten.
Das außenwirtschaftliche Umfeld dürfte über den Prognosezeitraum hinweg schwierig bleiben. Der Welthandel dürfte durch den Krieg belastet werden, der weiterhin die internationale Nachfrage dämpft und die Handelsströme stört. Zwar hat sich die Unsicherheit hinsichtlich der Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU im Vergleich zu 2025 etwas verringert, doch werden für 2026 und 2027 weiterhin negative Nachwirkungen von Zöllen und Handelskonflikten erwartet. Die von Dienstleistungen dominierte Exportstruktur Luxemburgs bietet einen gewissen Schutz, wobei Finanzdienstleistungen rund 45 % der Gesamtexporte und sonstige Dienstleistungen weitere 43 % ausmachen. Die schwächere Nachfrage seitens wichtiger europäischer Partner dürfte jedoch das Exportwachstum begrenzen, sodass die Auslandsnachfrage nur einen bescheidenen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Aktivität leisten wird.
Im Großen und Ganzen stabile Außen- und Haushaltslage
Die Außen- und Haushaltslage Luxemburgs dürfte 2026 und 2027 weitgehend stabil bleiben. Der Leistungsbilanzüberschuss wird in beiden Jahren voraussichtlich bei knapp 5 % des BIP liegen, gestützt durch eine anhaltend starke Dienstleistungsbilanz. Finanzdienstleistungen dominieren weiterhin die Exportstruktur und sind nach wie vor die wichtigste Quelle des Außenhandelsüberschusses, was Luxemburgs Rolle als globaler Finanzplatz widerspiegelt. Zwar weist der Warenhandel weiterhin ein Defizit auf, doch wird dies durch beträchtliche Überschüsse bei Finanzdienstleistungen und anderen unternehmensbezogenen Dienstleistungen mehr als ausgeglichen. Angesichts marktgetriebener Finanzströme lässt sich eine gewisse Volatilität der Außenbilanzen nicht ausschließen, doch wird erwartet, dass die Leistungsbilanz über den Prognosezeitraum hinweg strukturell positiv bleibt.
Auf der fiskalischen Seite dürfte sich das öffentliche Defizit sowohl 2026 als auch 2027 bei rund 1 % des BIP stabilisieren. Die Staatsausgaben werden voraussichtlich steigen, was auf anhaltende Verpflichtungen im Zusammenhang mit energiebezogenen Fördermaßnahmen, Verteidigung, Lohn- und Rentenindexierung sowie umfassenderen Sozial- und Infrastrukturausgaben zurückzuführen ist. Gleichzeitig dürfte das Einnahmenwachstum von einem gewissen Anstieg des Konsums und höheren Sozialbeiträgen profitieren, was dazu beitragen wird, eine weitere wesentliche Ausweitung des Defizits zu verhindern. Die Staatsverschuldung wird daher voraussichtlich von ihrem derzeit niedrigen Niveau leicht ansteigen, aber deutlich unter den Durchschnittswerten des Euroraums bleiben. Selbst bei diesem Verlauf wird erwartet, dass Luxemburg eine starke Haushaltslage beibehält und im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern über einen großen politischen Spielraum verfügt.
Stabile Regierungsführung in Luxemburg
Premierminister Luc Frieden führt weiterhin eine Mitte-Rechts-Koalition aus der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) und der liberalen Demokratischen Partei (DP) an, die seit den Wahlen 2023 im Amt ist. Die Koalition hat sich bislang als geschlossen erwiesen, obwohl eine Kabinettsumbildung im Dezember 2025 – ausgelöst durch den Rücktritt des Ministers für Arbeit und Sport infolge interner Meinungsverschiedenheiten – einige unterschwellige Spannungen deutlich machte. Dennoch ist die politische Stabilität nach wie vor groß, und es wird erwartet, dass die Regierung bis zu den nächsten Wahlen im Jahr 2028 im Amt bleibt. Zwar bleibt die CSV die größte Partei, doch deuten jüngste Umfragen auf einen Rückgang der Zustimmung hin, während die DP und die LSAP an Boden gewinnen. Auch wenn diese Trends keine unmittelbare Bedrohung für die Koalition darstellen, könnten sie auf ein stärker fragmentiertes politisches Umfeld bei der nächsten Wahl hindeuten.
Der im Oktober 2025 vorgelegte und im Dezember verabschiedete Haushalt für 2026 sieht die Beibehaltung der Unterstützung zur Deckung der Lebenshaltungskosten sowie zusätzliche soziale Maßnahmen vor, darunter energiebezogene Hilfen, während höhere Verteidigungsausgaben und steigende Lohnkosten im öffentlichen Dienst das Haushaltsdefizit auf einem hohen Niveau halten, das jedoch innerhalb der EU-Grenzen liegt. Gleichzeitig hat die Regierung eine solide Umsetzungskapazität unter Beweis gestellt, da der Haushalt von der Regierungsmehrheit gebilligt wurde. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen eine Anhebung der Rentenbeitragsätze von 24 % auf 25,5 % sowie gezielte steuerliche Anreize zur Förderung privater Investitionen, insbesondere in jüngere Unternehmen. Der Haushalt legt einen starken Schwerpunkt auf Wachstum und sozialen Zusammenhalt, mit „Rekordinvestitionen“ in verschiedenen Sektoren, insbesondere im Wohnungsbau, auf den ein großer Teil der Steuerausgaben entfällt. Oppositionsparteien haben den Plan jedoch kritisiert, da er keine Klarheit über die Finanzierung biete und längerfristige finanzpolitische Herausforderungen aufschiebe. Insgesamt räumt die Finanzpolitik in einem komplexen makroökonomischen Umfeld sowie angesichts steigender Verteidigungsverpflichtungen weiterhin der Einkommenssicherung und der Vertrauensbildung Priorität ein.

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